05.05.
Wenn doch einmal nur und dann für immer der Schritt gelänge aus dieser Haut herauszugehen und dennoch in der Welt zu sein.
Zu handeln und zu leben,
sich zu bewegen, ohne daß sich eine Stimme meldet, die es kommentiert.

Bedingungen stellt und formuliert.
Speichert.
Verneint. Bejaht.
Angenehm. Unangenehm.Gut. Nie gut.
Fühlt sich an wie...
Passiert weil..., vor allen Dingen das:
Was ist das? Was soll das? Wofür steht das?
Wo kommt das her? Wohin geht das?
Ich bin schuld! Und schon vorbei.

Was habe ich noch zu tun und was habe ich versäumt?
Was habe ich jetzt schon wieder falsch gemacht?
Warum bin ich nicht wach?
Habe ich dich verärgert?
Warum muß ich gemocht werden,
von dieser Stimme,
die mich ständig hinterfragt?
Warum muß ich ein `Ich´ haben, das sich quält.
Eine Wahrnehmung, die nur Lüge sucht, nur Lüge kennt. Nicht in Liebe denkt.
In Licht und Vertrauen in die Göttlichkeit allen Lebens.
Das schlöße die meine mit ein.

In der Vorwegnahme der Zurückweisung suche ich eine Rolle, die sich aushalten läßt.
Ein Lächeln im andauernden Schmerz. Der da nicht wäre, wäre ich nicht so verdammt allein.
Ich wäre nicht so verdammt allein, wenn der Schmerz nicht wäre.
Kreise ihn ein und komme ihm nicht zu nah.

Gehöre nicht dazu. ( höre nicht zu) bleibt.
Bleibt meins. Ich.
Ich lebe drum herum. Geht eigentlich nicht
und überlebt doch
in den Mangrovensümpfen
der Einsamkeit.

Schmerz sucht sich Aufhänger, die er gar nicht ist.
Sein Lieblingshaken ist die Liebe zwischen Mann und Frau. Der Schürhaken, der die Glut aufwühlt, die nicht die Liebe ist, sondern nur die Hilflosigkeit. Um den Schmerz herum lieben zu wollen...Nicht durch ihn hindurch.
Immer noch jemand anders sein, immer noch jemand anders sein zu wollen,
jenseits, jederzeit, woanders.
Scham.
Farbe bekennen zu müssen tut weh.
Viel zu sehr um zuzulassen, daß der Schmerz verbrennt.
Vielleicht ist die sexuelle Liebe auch gar nicht der Ort, an dem er brennbar wäre.
Wo dann?

Ich lege ihn dir zu Füßen.
Lege ihn auf deiner Schwelle ab, wie ein ungeliebtes Kind, und gehe in meine Dunkelheit zurück.
Da muß ein anderer Ausweg sein.
Ich habe dich drum herum geliebt und du hast mich wach geküßt.

Vielleicht ein bißchen weise.
Leise. Leise.
Bleibe doch immer noch ich.
Bleibe dennoch immer ich.
Ziehe einen Kreis um ihn. Ziehe mich zurück und lege mich sprungbereit auf die Lauer. Kentert dein Schiff an meinen Klippen?

Die Liebe engt mich ein, wo ich frei sein will.
Will keine Frau sein. Hier drinnen bin ich jemand anders.
Ich will keine Haut haben. Keine Haut sein.
Eine verletzbare Haut. Eine faule Haut. Eine müde Haut vor allem.
Und immer die gleiche Haut.
Um die gleichen Muskeln, Sehnen und Nervenstränge.
Um die gleichen klappernden, spröden Knochen.
Eine Haut, die keinen Wind durchläßt, der Töne aus ihnen machte.
Tropfentöne. Knochenflöten, Weidenflöten.
Das gleiche Blut, das in meinen Ohren saust. Mutlos geworden.
Und doch rebellisch. Spreche laut
gegen die Angst an in dieser Haut zu ersticken.

Immer noch allein am Bahnhof. Nach all diesen Jahren
suche ich immer noch eine andere Welt. Woanders.
Irgendwohin fahren. Irgendwohin gehen. Mit dir, das wärs,
und sehen
mit anderen Augen auf die eine Welt.

Bleibt immer noch die gleiche Haut, die dann eine alte Haut sein wird.
Und ein weiterer Sonnenuntergang, der draußen bleibt. Vor der Haut.
Mit geschlossenen Augen sehe ich ihn nicht.
Gibt es ihn dann?

Bleibt die Stimme, die das alles kommentiert: die Züge, die Nacht, Dich und den Sonnenuntergang.
Bleibt die Frauenhaut. Verdammt.
Du findest die vielleicht schön. Gott sei Dank.
Aber ich möchte nicht mehr darin stecken. Sie sehnt sich zu sehr nach mehr.
Mehr Händen. Mehr Liebe. Mehr Sonne.
Mehr Meer. Mehr Kindern und Geschwindigkeit.
Weniger Krankheit. Weniger Arbeit und weniger Abschiednehmen. Alleinsein. Angst.
Kann mich bitte mal jemand in den Arm nehmen?
Wenn doch einmal nur und dann für immer der Schritt gelänge,
aus dieser Haut heraus zu gehen und dennoch in der Welt zu sein.
Unkommentiert.
Hänge ich sie an einen Ast.
Vom Wind gegerbt und Schweigen.

Sie sehnt sich zu sehr. Das bringt mich um.
Langsam und stetig.

Doch was bringt mich um?
Daß ich mich dagegen wehre dazuzugehören. Zuzuhören.
Schmerz.
Ich habe die falschen Fragen gestellt.
Hilf mir bitte,
die richtigen zu finden.