18.01.
Erst jetzt wo du fort bist, stelle ich fest wie schnell und vehement ich meine Eigenständigkeit aufgeben wollte. Du hättest mein Zimmer haben können., meine Wohnung, mein Dach und meinen Schreibtisch, vor allen Dingen den.
Der Raum, den ich brauche um zu arbeiten, den gebe ich als erstes her. Lasse mich von meinen eigenen Sprüngen verwirren. Sehnsucht und Freiheitsdrang zerren in vermeintlich verschiedene Richtungen. Dabei müssen sie gar nicht. Es ist ein überkommenes Mißverständnis meinerseits, - es dem Frausein, Muttersein, Kindsein in der Liebe in die Schuhe zu schieben, mein Mangel an Souveränität sei vom Thema getrennt.- Es erwartet niemand nicht der Mann, nicht einmal das Kind, daß ich mich verstecke.

Ich weiß nicht, was du willst. Ich weiß nur, daß ich nicht will, daß du siehst wie verwirrt ich bin und schüchtern und selbstlos im Sinne von falschem Mangel an Ehrgeiz und ehrlichem Neid auf die, die rausgehen auf die Bühne und zu ihrer Kunst stehen.
Die Selbstgenügsamkeit der Männer hat mich schon immer rasend vor Eifersucht gemacht. Mogelpackung Unabhängigkeit meinerseits. Die haben ihre Arbeit und was habe ich?
Ein Kind. Als es nur noch das gab, bin ich aufgewacht.
Wo sind da die Grenzen?

Bei der Nacht. In der Nacht bin ich frei bei Dir zu sein oder bei mir.
Was wähle ich?
Die Freiheit, doch was ist das? Wenn du gehen mußt, damit ich bin, haben wir was falsch gemacht.
Ich habe wirre, aber aufrichtige Schuldgefühle. Angst, daß das von mir so vehement bestrittene - Du erwartest soviel!- entlarvt würde. Wobei die eigentliche Lüge mein keusches - ich erwarte gar nichts - war. Danke, ich komme alleine klar und fordere nichts. Fast nichts und doch immer alles. Außerdem erschreckt mich meine Sucht nach Autosuggestion.
Jedes Mal muß diese eine Liebe ganz besonders sein. Verdächtig steigere ich mich da rein. Dieser muß es sein: Der Eine, der irgendwie richtig ist. `Mann meines Lebens´. Und wenn ich schnipple und presse und zwänge, um nicht sowieso enttäuscht zu sein. Denn wenn ich das so will, dann paßt er auch in diesen Rahmen. Bis er ihn sprengt. Oder manchmal auch ich.
Ich bin ja nicht nur blind, sondern langsam und wünsche und bete hinterher jedes Mal, daß er unbeschadet davongekommen sei.

Ich werde präziser sein müssen. Wenn ich schon Forderungen stelle. Grenzsteine lege.
( Präzision ist Erden ) Doch habe ich mich nicht getraut, meine Wünsche Worte werden zu lassen und sie der Prüfung auszusetzen.Wertfrei, denn sie sind ja da, die Wünsche, die dann diffuse Forderungen werden. Der Prüfung d.h. Deiner Zustimmung vor allem, doch dann der Wirklichkeit. Ob sie dann noch meine Zustimmung fänden? Nicht aufgrund deiner Unzulänglichkeit, sonder ob meiner eigenen Unsicherheit darüber, daß es überhaupt wünschenswert wäre, sich derart zu verbandeln, wie es denn meine Sehnsucht ist und gleichzeitig in die entgegengesetzte Richtung zu zerren - frei sein!
Mit dir geht das scheinbar nicht. Zusammen hieße es Erwachsen werden. Das Auf-und Ab von Verschmelzen und Gehenlassen anzunehmen, als dynamischen Fluß und nicht als dramaturgische Notwendigkeit, die beim happyend - dem Kuß, dem Ring- endet.
Endlich dann wird alles gut. Der Fluß wird ruhig. Fließt ins Meer der Ewigkeit. Amen. So hatte ich mir das vorgestellt mit Gott auf unserer Seite. Stattdessen prügeln und versöhnen wir uns weiter. Rennen auseinander, ziehen uns an, stoßen uns ab und wollen manchmal einfach unsere Ruhe. So wie ich heute.
Zu heftig. Zu viel. Zu schnell. Zu schön. Immer die gleichen Mauern. Dieselbe Uneinigkeit. Igel mich ein in Müdigkeit und Vertrauen.
Gott weiß wo´s langgeht.
Gefunden werden. Das wäre es: Einmal gefunden werden. Die Keule auf mein renitentes Haupt und ab in den Busch. Den Dschungel der Herzen, der brennt. Keine Fragen mehr.
Mehr noch denn je wünschte ich mir ein Gegenüber, das meine Widerstände mit Sanftmut bricht und nicht mehr ein formbares Spiegelbild meiner Wut, nicht selbstständig zu sein. Einen Spiegel suchen einen Befreier. Einen Retter. Einen gedungenen Killer meiner Selbstsucht. Beständig meiner Selbst bewußt. Süchtig nach dem Selbst, das ich selbst nicht bin. Komplett, kokett und danach schmeiße ich ihn raus. Er kann genug nicht sein.
Gammel hier nicht rum. Ich habe damit zu tun die Welt und mich selbst zu retten.
Fight down Babylon!
Ich brauche keinen Mann, sondern eine Revolution.
Ließe mich doch nicht reduzieren auf die Rolle einer Frau und bleibe ein Mädchen in der Liebe. Was will ich eigentlich?