02.01.1999
Die Verbalinjurien, die von einer Sekunde auf die andere zwischen meinem Sohn und mir aufflammen, sind erschreckend. Sie lehren mich die ganze Menschheitsgeschichte.
`Wie die Kinder´, habe ich als Kind gedacht über die Streits der Großen, `wie die Kinder ´. Unberechenbar und skrupellos und in meiner Wahrnehmung flattern die großen und die kleinen Kriege durcheinander. Ist immer Krieg oder gar keiner. Ich traue dem Frieden nicht. Und ich kann mich nicht mehr halten. Immer wieder entgleiten mir die Fäden in eine andere Welt und ich gehe in die blaue Wand vor der der Krieg stattfand, der mich aus der Bahn geworfen hat. Ohnmächtig einem Kind gegenüber, bis ich es geschlagen habe.
Daß ich es geschlagen habe. Seine Wut ist wie ein Flammenwerfer zügellos und ich teile sie, erinnere sie, weil da immer die Erwachsenen sind. Immer jemand sagt, daß...jede Kleinigkeit andauernd. Doch jetzt bin ich die andere Seite fassungslos, daß er die Zwänge nicht kennt, warum da eine sagt und nicht zum Spaß oder aus Schikane, sondern weil da Zwänge sind,
die welche werden, lasse ich es zu.
Danach habe ich auf dem Sofa gesessen und in die Plantage gestarrt. Da ging es los das `Ichwillnichtmehrleben´. Hielt eine Woche an. Ich kannte das schon, aber nicht so absolut.
Geht nur irgendwann vorbei. Geht immer vorbei, sagst du. Jedenfalls ist es immer vorbei gegangen.
Ich weiß nicht, ich glaube, es gibt Momente, in denen will ich dahin. Das macht mir Angst.
Weil die Nacht ist immer da und der Abgrund und alles andere ist nur Tünche, sind nur Spinnenbrücken.
Es gibt keine Liebe. Das ist der Ort, den ich meine. Kennst du den?